Maulwurf auf der Matte – Paulis Judo-Abenteuer beim TuS Borkum

Sanft legen sich die Nebelschwaden am Samstag, den 07. Februar 2026, über Borkum, die Nordsee und über Emden. Friedlich schiebt die Fähre MS Münsterland die Eisschollen zur Seite. Es ist ein guter Start für unsere kleine Auszeit auf der Insel. Vor zehn Jahren, 2016, sind vier von unserer TuS-Bothfeld-Judoabteilung das erste Mal rübergefahren. Das ist schon etwas Besonderes, weil ich, Pauli der unterirdische Maulwurf, dieses Jahr zum ersten Mal mit dabei bin.

Bin gespannt, was die veranlasst hat, fürs Training einmal über die Nordsee zu schippern, aber ich habe in einer Zeitung, die jemand vergraben hatte, gelesen: Reisen bildet!

Fast die ganze Woche haben die Nebelschwaden Borkum fest in ihrem Griff gehabt. So etwas haben selbst die Borkum erfahrenen Judoka noch nicht erlebt, wenn der Nebel fließend in einen kleinen Streifen Nordsee übergeht und kein Horizont zu sehen ist. Großartig gestört hat das wenig, da wir alle, also ich mit, wegen Judo auf die Insel fahren. Die Judomatten liegen in der Sporthalle unserer befreundeten Judoka vom TuS Borkum. In der Sporthalle sieht man den Nebel nicht.

Die Judo-Woche begann am Sonntag mit einem Tabata-Krav-Maga-Circuit-Training geleitet von Dominique aus Borkum. Vor dem Auftakt-Circuit-Training hat es die Dankeschön-Jahresration an Bahlsen-Kekse für unsere Borkumer Gastgeberinnen Dominique und Stephi mit Phi gegeben. Doch damit nicht genug. Für Jutta und Wölfi, die beiden Abteilungsleiter der Bothfelder Judo-Abteilung, hat es die erste Abteilungsleiterchallenge gegeben. Die beiden sind ja sonst mit dem Training für uns, den Hausaufgaben in Punkto Referatsvorbereitung und Video-Beurteilung einfach nicht ausgelastet. Knifflige und schwierige Rätsel wollten bis Dienstag gelöst werden. Die Vorbereitung des Online-Lehrgangs, den Wölfi als Referent am Wochenende nach Borkum abgehalten hat, hat deshalb etwas warten müssen.

Täglich haben die Judoka an ihren Wurf-, Halte-, Hebel-, Würge-, Schlag- und Tritt-Techniken gearbeitet. Vor dem Training der Judo-Techniken wurden sie mit Fitnessübungen aufgewärmt. Das Sammelsurium an Fitnessübungen ist mit Elementen aus der klassischen Gymnastik, Taiso (japanischer Gymnastik), Pilates, Übungen mit Thera- und Deuserband, Krav-Maga-Übungen, Yoga und vielem mehr sehr vielfältig.

Jasmina hat fleißig für ihren neuen Gürtel, orange-grün, geübt und wollte sich am Freitag dem letzten Trainingstag, ihrer Prüfung stellen. Am Donnerstag war Generalprobe unter den Augen von gleich drei Prüfern. Wölfi und André haben sich die gezeigten Techniken von „außen“ angesehen, während Knobi aus Mellendorf sich die Techniken als Uke und Trainingspartner auch von „innen“ angesehen und gefühlt hat. Das sind ganz besondere Prüfungsbedingungen, die im Judo in dieser Form (ein Prüfer sieht sich die Techniken von „innen“ an) in der Regel nicht vorkommen und der Jasmina sich gestellt hat. Dass Jasmina die Prüfung am Donnerstag bereits bestanden hat, hat ihr Trainer Wölfi erst beim Gruppenfoto zu Trainingsbeginn am Freitag verraten. Voller Stolz hat Jasmina über die neue Graduierung bis über beide Ohren gestrahlt. Auch wir sind stolz auf Jasmina – das hat sie sich hart erarbeitet. Gratulation, weiter so.

Stephi mit ϕ (griech. phi) aus Borkum hat zusammen mit Klara aus NRW unter der fachkundigen Anleitung von Jutta an ihrer Ju no kata gearbeitet. Wenn die NJV-Kata-Referentin schon zu Besuch ist, muss diese Gelegenheit auch genutzt werden. Steffi mit Doppel-Eff, Jürgen und Franzi von unseren Bothfelder Judoka haben ebenfalls an ihrer Ju no kata gearbeitet als Vorbereitung für ihre Teilnahme den NJV-Katameisterschaften. Dominique hat gemeinsam mit Harald, der mit seiner Frau Regina aus Berlin angereist ist, an der Kodokan goshin jutsu (moderne Selbstverteidigungskata) gearbeitet. Haralds Frau Regina, war tagsüber auf der Insel unterwegs, hat aber viel Spaß bei der Yoga-Einheit gehabt.

Knobi hat sich mit Patrick aus Bremen auf seine nächste Gürtelprüfung vorbereitet. Auch Franzi hat auf ihre nächste Gürtelprüfung hingearbeitet, hierzu hat sie sich André und Angela als Unterstützung dazugeholt. Anne, einer leidenschaftlichen Frühaufsteherin und Nicht-Judoka, die gerne mit den Judoka auf Borkum Urlaub macht, hat sich liebevoll um die Brötchenversorgung zum Frühstück gekümmert. Gegen Anne ist André, der andere Frühaufsteher der Gruppe, ein Langschläfer, obwohl er seinen Wecker weit vor Sonnenaufgang arbeiten lässt. Das Abendessen ist durch die Brasserie auf Borkum sichergestellt worden. Die Fischsuppe ist laut Jutta und Steffi mit Doppel-Eff immernoch ein echter Geheimtipp.

Am letzten Trainingstag ist die Heizung in der Sporthalle ausgefallen. Es ist so kalt gewesen, dass hier nur noch Andrés Aufwärmtraining unter meiner, Paulis (!!!!!), Aufsicht geholfen hat. Bei Andrés Laufspielereien haben wir die Borkumer Tierwelt und verschiedene Arten, wie man sich auf und nach Borkum bewegt, kennengelernt. Anschließend hat ein Circuit-Training mit Fitness-, Thera- und Deuserbändern von André auf der Tagesordnung gestanden, bei dem sogar Harald, der ein passionierter Wettkämpfer und Fitnesscoach ist, an seine Grenzen kam. Selbstverständlich ist während der ganzen Woche auch der wichtigste Muskel, den wir haben, intensiv trainiert worden. Der Lachmuskel. Die Stimmung auf der Matte mit Bothfelder Judoka gibt immer Anlass zu guten Sprüchen.

An unserem Abreisetag, Samstag dem 14.02.2026, hat sich Borkum nochmal von seiner schönsten Seite gezeigt, blauer Himmel mit Sicht bis zum Horizont. Obwohl es auf Borkum stressfrei und gemütlich zugeht, rast die Zeit doch dahin, denn die Woche Judo-Urlaub ist viel zu schnell vorbei. Das scheint das Borkumer Zeit-Paradoxon zu sein. In zwei Dingen sind wir uns einig. Erstens: Eine tolle, trainingsintensive, lehrsame und erholsame Woche Judo-Urlaub ist zu Ende gegangen. Und zweitens: Wir fahren nächstes Jahr wieder nach Borkum.

Das Schreiben des Gästebucheintrags sowie dieses Berichts blieb mal wieder an mir, Pauli, dem unterirdischen Maulwurf hängen. Immer auf die Kleinen! Aber ich mach das wirklich gerne!!!

 

In die für zweibeinige Säugetiere lesbare Form gebracht von André Hoppe.

Hannover, 19.2.26