Vor ein paar Monaten habe ich die Judoka vom TuS Bothfeld kennen gelernt. Ein Highlight des Jahres abseits der Judo-Matte ist das Judo-Sommercamp, das die Bothfelder Judoka gemeinsam mit den befreundeten Judoka aus der Wedemark (Mellendorfer TV und Turnclub Bissendorf) schon zum fünften Mal durchführen. Von meinen zweibeinigen Judo-Freunden habe ich viel von diesem Sommercamp gehört. Wie viel Spaß es ihnen macht und welcher organisatorische Aufwand dahintersteckt, haben sie mir genau erläutert. Sie haben mich gebeten, etwas frischen Wind in ihr Sommercamp zu bringen. Keine große Sache für einen kleinen Maulwurf wie mich, Pauli, den Unterirdischen, genauso wie das Anlegen von Maulwurfshügeln. Also gehe ich Campen.
Das Judo-Sommercamp hat dieses Mal am Wochenende vom 12. bis 14. Juni 2026 auf dem Campingplatz Aller-Leine-Tal stattgefunden. Die Betreuer sind bereits am Freitag angereist, um die Zelte, Küchenwagen und Pavillon aufzubauen und einzurichten. Zwischendurch gab es kürzere Regenschauer. Geradezu lächerlich, die zu erwähnen – unterirdisch und bei meinem bestens imprägnierten Pelz ist das nix!
Da zu einem Sommercamp ein Lagerfeuer dazugehört, habe ich, Pauli, mich an meinen Freund Petrus gewendet, sodass es im Vorfeld des Sommercamps genug geregnet hat, um jegliche Gefahrenlage durch unvorsichtigen Umgang damit zu verhindern.
Die erste Neuerung ist am Freitag Raclette gewesen. Wieso meine zweibeinigen Freunde Raclette immer nur zu Weihnachten bzw. Silvester machen, verstehe ich wirklich nicht. Also haben wir Raclette im (meteorologischen) Sommer draußen an der frischen Luft gemacht.
Anschließend sind die Gruppen zugeordnet worden, und es hat für die Betreuer eine Einweisung in die Spiele gegeben. Den Abend haben wir, die Betreuer und ich, am Lagerfeuer ausklingen lassen.
In der Nacht haben mich sowohl der Regen (Die Sorge galt nicht meinem Pelz, sondern: hält unser Küchenunterstand?) und die Träume meiner Mitbewohner im Zelt wachgehalten. Sie müssen davon geträumt haben, das Feuerholz für das Lagerfeuer für den nächsten Abend vorzubereiten. Sehr gut haben sie die Sägearbeiten imitiert. Ich bin die ganze Nacht wach gewesen, um auf die Bäume aufzupassen.
Nach dem Frühstück am Samstag sind die ersten Kinder gekommen. Dieses Mal haben 18 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren am Sommercamp teilgenommen. Das waren zwar weniger Kinder als geplant, aber dafür ist die Stimmung sehr gut gewesen.
Zu Beginn des Sommercamps sind die Kinder ihren Betreuern zugeteilt worden, und es hat eine Einweisung in die Regelkunde sowie einen gemeinsamer Orientierungsgang über den Campingplatz gegeben. Dass Freundschaft ein gelebter Judo-Wert ist, haben die Kids wieder vorgemacht und schnell vereinsübergreifend Freundschaften geschlossen.
Der Samstag hat im Zeichen der Judo-Safari gestanden, bei der sportliche Herausforderungen gemeistert werden wollten. Die jungen Judoka treten in sportlichen Disziplinen gegeneinander an, um die begehrten Aufnäher für den Judo-Anzug (gelbes Känguru, roter Fuchs, grüne Schlange, blauer Adler, brauner Bär und schwarzer Panther) zu erlangen. Der schwarze Panther ist besonders heiß begehrt, da dieser am schwierigsten zu erreichen ist. Warum eigentlich ein schwarzer Panther und kein schwarzer Maulwurf? Da war ich ein bisschen mucksch!
Kann ein Panther so gut schwimmen wie ein Maulwurf?
Kann ein Panther so elegant Tunnelsysteme graben wie ein Maulwurf?
Ist ein Panther für das Bodenpersonal (alle Bewohner unseres Untergrunds, für die ich ständig Luft und Lockerung im Boden einrichte) so wichtig wie ein Maulwurf?
Ein paar sportliche Herausforderungen aus vergangenen Sommercamps sind beibehalten worden, wie das Dosenwerfen. Das Werfen gehört zum Judo. Wenn keine Judo-Matte zur Verfügung steht, dürfen auch mal Konservendosen herhalten.
Beim Angelspiel, Klassiker aus dem Spieleschrank, geht es in der Variante für große Kinder um die Hand-Auge-Koordination mit einer Angel, die nicht so will wie der Angler das will. Das kennen wir auch von der Judo-Matte im Randori, wenn der Partner nicht so will wie wir es wollen. Eine gute Hand-Augen-Koordination ist auch beim Judo sehr nützlich. Beim Randori (Übungskampf) und auch beim Shiai (Wettkampf) geht es darum, die passende Technik für sein Gegenüber zu finden, ähnlich wie beim Muttern drehen. Hier geht es auch darum, die passende Technik, also den passenden Dreh, zu finden und die passende Mutter zu den jeweiligen Gewindeschrauben.
Diese Disziplin ist besser für die Zweibeiner geeignet, meine Grabschaufeln sind nicht gut zum Schraubendrehen gemacht.
Das Highlight der sportlichen Herausforderungen ist der Eier-Lauf. Ein Sommercamp ohne Eier-Lauf ist kein Sommercamp. Als Stuntdouble für die Eier (davon werden einfach zu viele verbraucht) ist ein Tennisball zum Einsatz gekommen. Den Eier-Lauf habe ich ein wenig abgeändert. Eine Änderung ist das Abschießen von Tischtennisbällen, die auf einer Wasserflasche liegen, mit Hilfe einer Wasserpistole. Das ist nicht nur bei den Kindern sehr gut angekommen.
Wer kann, darf sich Zuhause im Würfelstapeln ausprobieren. Wie viele Würfel schafft ihr in einer Minute zu stapeln? Oder im Becher zu tragen? Wie lange braucht ihr, um Trinkbecher nur mit Hilfe eines Luftballons, der aufgeblasen wird, von einem Tischende zum anderen zu tragen, ohne dabei den Becher zu berühren?
Um auf die bevorstehende Nacht vorbereitet zu sein, muss natürlich der Batteriewechsel bei einer Taschenlampe geübt werden. Blind natürlich. Das dürft ihr gerne zuhause ausprobieren.
Bei der Planung des Sommercamps spielt auch die Essensplanung eine wichtige Rolle. Diese hängt davon ab, ob gegrillt werden darf oder nicht. Die Idee, die ich umgesetzt habe, sind Wraps zum Mittag gewesen. Ein Betreuer hat auch einen Nicer-Dicer, mit dem das Würfeln von Tomate, Gurke und Co. sehr gut gehen soll. Es wäre schön gewesen, wenn er den auch mitgebracht hätte.
So blieb die ganze Schnippelarbeit an mir, Pauli, dem Maulwurf, hängen. Immer auf die Kleinen. Aber wie ich stets zu sagen pflege: „Gute Ideen sind dazu da, um umgesetzt zu werden.“ Nicht nur bei den Kindern sind die Wraps zum selber Belegen sehr gut angekommen.
Nachdem die Energiereserven wieder aufgefüllt worden sind, hat der Nachmittag nach der Regenpause im Zeichen der Gruppenspiele gestanden. Hier haben sich die Kinder gemeinsam als Gruppe den sportlichen Herausforderungen gestellt. Ein weiterer Klassiker des Sommercamp ist die Wasserstaffel. Dieses Mal entlang des Eier-Lauf-Parcours. Mit dem Wasser, dass bei der Wasserstaffel erlaufen worden ist, ist der Gruppenbiathlon bestritten worden. Auf Gruppenskiern darf die Gruppen einen Rundkurs laufen und mit Hilfe einer Wasserpistole Tischtennisbälle von Wasserflaschen abschießen.
Im Labyrinth muss die Gruppe mit Hilfe von zwei Judo-Gürteln Markierungen mit Zahlen von eins bis zwölf aufsteigend nacheinander ablaufen. Die Herausforderungen dabei sind zum einen, dass die Judogürtel dabei berührt werden müssen, zum anderen muss herausgefunden werden, wo die nächste Zahl liegt.
Das Gedächtnis der Kids ist beim Judo-Memory gefordert gewesen, dabei sind die Pärchen der jeweiligen zehn DJB-Judo-Werte unter Zeitdruck aufzudecken.
Glück gehört manchmal auch beim Judo dazu, bei der Würfelpyramide auf jeden Fall.
Die Kreativität der Kids ist beim Papierfliegerweitwurf auf die Probe gestellt worden. Ob ein richtig weiter Wurf gelingt, hängt von der Physik ab.
Beim Judo ist es ähnlich. Ob eine Judo-Technik gelingt, hängt von der Anatomie, Psychologie und Physik ab (kurz: Judo-APP).
Zum Abschluss der Gruppenspiele ist die Kreativität nochmal beim Basteln von Schlüsselanhängern aus buntem Paracord gefragt gewesen. Wieder eine meiner guten Ideen, die bei den Kindern, wie bei den Betreuern gut angekommen ist.
Ein Glück, dass er Juttas Rechenknecht dabeigehabt gewesen ist. So ist die Auswertung doch wesentlich schneller gegangen, als die Berechnung selber zeitaufwändig von Hand auszuführen.
So sind die Urkunden noch vor dem Abendessen fertig geworden.
Zu den Urkunden hat es dann Burger gegeben. Nach der Sieger-Ehrung und dem Verteilen der begehrten Judo-Safari-Aufnäher ist freies Spiel der Kräfte angesagt gewesen. Wer wollte, konnte seine Schlüsselanhänger-Kollektion erweitern.
Den Abend haben wir gemütlich beim Lagerfeuer mit Stockbrot, Marshmallows und Haribos ausklingen lassen. In der Nacht bin ich wieder wach gewesen, um bei Regen auf die Bäume aufzupassen. Einer muss es ja tun, wenn die anderen Betreuer mal wieder von Laubsägearbeiten träumen. Stellt euch vor, dass nach so einem Wochenende auf dem Campingplatz kein einziger Baum mehr steht!
Den Sonntag haben die Kinder und ich bei einem Frühstück mit Brötchen vom Bäcker gestartet. Nach dem Frühstück hat das Abbauen des Sommercamps auf der Tagesordnung gestanden. Es ist schon erstaunlich, wie viele Kinder auf einen Pickup passen (das Auto – nicht der Schoko-Keks). So ein Sommercamp geht doch viel zu schnell vorbei. Nach dem Sommercamp ist vor dem Sommercamp. Mal sehen was mir bis zum nächsten einfällt.
Ach ja, das Berichtschreiben bleibt mal wieder bei an den Kleinen hängen, also mir, Pauli, dem unterirdischen Maulwurf – was auch sonst: ein oberirdischer Maulwurf wäre eine Fehlkonstruktion.
Ich habe das Sommercamp unterirdisch gut gefunden und freue mich schon auf nächstes Jahr vom 02. bis 04. Juli 2027. Bis dahin lasse ich mir weitere gute Ideen einfallen, um die Zweibeiner vor allzu großen Schäden zu bewahren.
Ihr wisst ja, was ich stets zu sagen pflege: „Gute Ideen sind lediglich dazu da, um umgesetzt zu werden.“
Beim Campingplatz Aller-Leine-Tal (www.camping-aller-leine-tal.de), der Freiwilligen Feuerwehr Abbensen (www.ff-abbensen.de), der Yachtschule Detlef Schmalstieg (www.sail-surf-hannover.de), dem TuS Bothfeld 04 (www.tusbothfeld.de), dem Turn-Club Bissendorf (www.turn-club-bissendorf.de) dem Mellendorfer TV (www.mellendorfertv.de) und den Betreuern möchte ich mich bedanken, dass ihr den Kindern und einem kleinen Maulwurf ein rundum gelungenes Judo-Sommercamp bereitet habt.
Bis dahin,
Euer Pauli
In die für zweibeinige Säugetiere lesbare Form gebracht von André Hoppe.
Ich würde ja auf „talpa“ schreiben, was leider nur meine europäische Sippschaft, die Talpidae, lesen kann und versteht, nicht mal mein japanischer Verwandter. Wir müssen uns immer per Nase und Grabschaufelalphabet verständigen, wenn wir uns sehen. Wenn mich mein kleiner Cousin Mogera Imaizumii mal wieder besucht, kann er mir aber vielleicht ein paar Ideen vom anderen Ende der Welt aus seiner Heimat Japan mitbringen.
Hannover, 16.6.26

















